Medientagbuch von Markus Wiegand, Chefredaktor „Schweizer Journalist“

 

Markus Wiegand

Markus Wiegand

Das grösste Privileg an meinem Job ist es vielleicht, die Wundertüte des medialen Angebots jeden Tag zu lesen, zu hören und zu sehen. Eigentlich ist es wahnsinnig, dass man dafür am Ende auch noch bezahlt wird. Andererseits ist genau das für mich der Fluch des Medienjournalismus. Ich komme mir vor wie ein Restaurantkritiker, der ein brillantes Essen nicht mehr geniessen kann, weil er es permanent vergleicht und einschätzt.
Mein Tag startet mit Newslettern, ich versuche natürlich dem täglichen Überangebot des Medienjournalismus Herr zu werden: Zuerst der Kleinreport, dann Persönlich. Da ich seit drei Jahren auch Chefredaktor des „Wirtschaftsjournalist“ (Auflage: 6.000, sechs mal im Jahr) bin, der hauptsächlich in Deutschland erscheint, lese ich auch einige deutsche Mediendienste (zweimal täglich: turi2, mediaa). Anschliessend schaue ich durch die grossen Onlineportale der Schweiz (Tages-Anzeiger, NZZ, Blick, 20 Minuten) und danach die deutschen Seiten (Financial Times Deutschland, Handelsblatt, Spiegel, Bild). Seit einiger Zeit schickt mir „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart ein Newsletter-Mail, das mir den besten Überblick über den Wirtschaftsjournalismus in Deutschland verschafft: Kurzes kommentierendes Editorial, Teaser für Artikel in der Papierausgabe plus Hinweise auf die meistgelesenen Onlinegeschichten. Perfekt für mich: zwei Minuten und ich weiss, was los ist. Daneben verfolge ich die wichtigsten Blogs (meist als RSS) und Twitter-Accounts von Journalisten, allerdings nicht immer täglich. Grossartig finde ich übrigens die Lesebrille in meinem Safari-Browser, dort sammle ich alle Links auf Artikel, die ich später lesen möchte.
Radio höre ich eigentlich nur noch als Podcast, falls ich nicht gerade Auto fahre (was selten vorkommt). Und auch beim Fernsehen schaue ich immer mehr zeitversetzt, seit wir vor einem Jahr einen Festplattenrekorder angeschafft haben. Die klassische Tageszeitung (den Tages-Anzeiger), nehme ich meistens am Abend zum ersten Mal in die Hand. Das gilt auch für die Wochenzeitungen und Magazine, die ins Haus flattern.
Ich habe für diesen Blog tatsächlich ein bisschen nachdenken müssen, was ich eigentlich aus purem Vergnügen lese. Nummer eins: Das Fussballmagazin „11 Freunde“ aus Deutschland. Ein verspielt ironischer Blick auf die wirklich wichtigste Nebensache der Welt. Nummer zwei: Teletext. Ich bin ein fanatischer Anhänger der Sportseiten dort. Ich lese tatsächlich einmal am Tag im Internet den Teletext. Es gibt kein Onlineangebot, das in kürzerer Zeit einen Überblick gibt. Aber ich gebe gerne zu: Das ist ein schräges Vergnügen.

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