Mein liebster Selbst-Verwöhn-Tag beginnt morgens um acht Uhr im Café Schwarzenbach in Zürich. Hier läuft keine Musik, es gibt einen herrlichen Chai Latte, begleitet vom Rascheln meiner Neuen Zürcher Zeitung und dem Ticken der Wanduhr. In-der-Zeitung-versinken. Noch-nicht-reden-müssen.
Aber oft ist das leider nicht möglich, mein Arbeitsmorgen beginnt früher. Im Agentur-Alltag von Bernet_PR bleibt die gedruckte NZZ meine Einstiegsdroge. Einige Wochen habe ich es mit der iPad-Version versucht, aber das Ding ist mir doch zu unhandlich. Genial war damit das schnelle Weiterleiten und Archivieren interessanter Artikel. Beim Papier heisst es: Ausreissen, mitnehmen, Link am Computer suchen, twittern oder speichern.
Damit sind wir mitten drin in Social Media, meinem Fachgebiet. An einigen Morgen blättere ich noch schnell durch den Tages Anzeiger, aber spätestens am Bürobildschirm ist Schluss mit Papier: TweetDeck (Kurzbeschrieb im bernetblog) gibt mir einen schnellen Überblick aller laufenden 140-Zeichen-Kurzmeldungen und Facebook-News, dazu habe ich verschiedene Filter eingerichtet. Die wichtigste News-Inbox ist meine E-Mail, hier habe ich das abonniert, was mich am stärksten interessiert. Im Moment sind das News-Abos von amerikanischen und europäischen Online-Zeitungen, Magazinen, Blogs aus den Bereichen Medien, Journalismus, Social Media, Wirtschaft. Je nach Zeitdruck wird sofort gelesen, gelöscht oder über Bookmarks und Evernote für späteres Lesen behalten – oder ausgedruckt.
Dazwischen ein Blick in die Post-Inbox: Regelmässig lese ich brandeins, Die Zeit, Persönlich, Edito/Klartext, GDI Impuls, PR Tactics, Bilanz, Velojournal. Also gut, zugegeben – mindestens das Inhaltsverzeichnis schaue ich mir an und manchmal bleibt ein Heft ganz liegen. Im Team lesen wir noch mehr und informieren uns gegenseitig über relevante Themen. Auch aus dem laufenden Monitoring der Artikel über unsere Kunden.
Dieses Empfehlen im Team weitet sich aus auf Social Media: Interessante Artikel teile ich laufend über meinen Twitter-Stream. Und im Gegenzug erreicht mich so einiges, das ich gar nicht aktiv gesucht habe: Während ich kurz selbst auf Twitter bin, auf unserer Pinnwand bei Facebook oder Google+. Am Wochenende oder an einem freien Abend lasse ich mich auf dem iPad von Artikel-Zusammenfassungen wie Flipboard verführen. Die NZZ am Sonntag lese ich auf Papier, SonntagsZeitung und Sonntag auf dem iPad.
Für Radio und Fernsehen bleibt keine Zeit. Höchstens für gezielt gesuchte Beiträge im Online-Archiv.
Eine Auszeit nicht nur vom Medienkonsum hole ich mir regelmässig in meiner Atelier-Werkstatt. Hier entstehen Holzskulpturen (PDF-Sammlung) mit der Motorsäge, Pinsel und Pigmenten. Das sind dann zwei bis vier Tage ohne Medium, ohne Gespräche. Was ich sehr geniesse. Der Wechsel zwischen Speed und Sägemehl inspiriert und hält wach.
Fazit: Absinken und Einsteigen über fokussiertes Papier-Lesen. Schnelles Filtern von Sofort-Schnipseln am Bildschirm, eingeflochten in den Tagesablauf, mit aktivem Weiter-Verteilen. An Randzeiten ein wenig Fläzen auf dem iPad. Und als Kontrastprogramm hin und wieder einfach alle Medien abschalten: Beim Bildhauen.
Marcel Bernet, MAZ-Dozent, Berater, Bildhauer